Work-Life-Balance auf See (Teil 1)

Work-Life-Balance auf See (Teil 1)

Ab einem gewissen Alter benötigt man(n) kleine Auszeiten vom Berufsalltag. Was liegt daher näher, das Spätsommerwetter mit über 30 Grad, blauem Himmel, 12 – 15 Knoten Wind für sich zu nutzen und auf´s Schiff zu hüpfen. Alles altersgerecht! Geschäftliche Verpflichtungen im Norden machen das möglich. Montag bis Mittwoch Business mit Hotelleben inklusiv aller (Un)Annehmlichkeiten, Donnerstag ausschlafen, gut frühstücken und dann ein paar Kilometer bis nach Fehmarn. Schlips und Anzug ausziehen und rauf auf´s Schiff. Leinen los, Kurz 190 Grad mit Ziel Travemünde. Ich möchte die letzten sonnigen und schönen Segeltage noch nutzen. Denn spätestens Mitte September ist die Saison vorbei. Krantermin und ab in die Halle zum Überwintern.

Vier Tage mit dem Wochenende, einfach geiles Segelwetter! Beim Segeln kann ich so wunderbar nachdenken. Die Klienten freuen sich immer, wenn sie einen tiefenentspannten, mit guten Empfehlungen ausgestatteten Berater und Interim Manager bekommen. Weniger ist oftmals mehr. Nicht immer nur Atacke!

Einhand Ablegen in Burgtiefe. Tausendmal geübt, funktioniert wie im Schlaf. Die Ostsee tiefblau, Südost 10 bis 12 Knoten Wind, Windeinfall 60 bis 70 Grad, später 80 bis 90 Grad. Herrlich! Allein mit sich und der Segelwelt. Das inspiriert zu diesen Zeilen. Der „Dampfer“ läuft allein. Nicole kommt am Freitag mit der Bahn nach Travemünde. Gemeinsam segeln wir dann gemütlich zurück nach Fehmarn.

Zwischendurch ein Blick auf die Instrumente, 13,5 Knoten Wind, 70 Grad Windeinfall, 5,3 Knoten Fahrt durch´s Wasser. Das GPS zeigt 5,8 Knoten über Grund. Ab und zu packt mich der Ehrgeiz. Die querab segelnde Yacht haben wir gepackt. Innerhalb zwei Stunden mindestens eine Seemeile aufgeholt; fährt gleichen Kurs. Die vor mir segelnde ist noch etwa 0,5 Meilen voraus. Der Abstand bleibt noch nahezu gleich. Da muss ich noch etwas trimmen und die letzten Zehntel rauskitzeln. Vorbei geht es an Großenbrode, Kellenhusen, Dahme und Grömitz. Volle Strände. Die Urlauber kommen noch auf ihre Kosten. Wassertemperatur 19,5 Grad. Für mich mindestens 10 Grad zu kalt!

Und was macht der Skipper so allein an Bord? Entspannen, Lesen, auf´s Meer schauen und WhatsApp schreiben. Mit einem eventuell späteren Mitsegler für den Törn nach Stockholm im nächsten Jahr. Die Kommunikation per Tablet funktioniert schon mal perfekt. Wir kennen uns zwar noch nicht, aber der Austausch stimmt. Nächstes Jahr geht es doch nach Schweden. Allein nach Stockholm macht auch nicht wirklich Spaß. Der Familienurlaub startet Ende Juni in Schwedens Hauptstadt. Da werde ich zwei Wochen vorher starten, um pünktlich, jedoch auch gemütlich in Tagestörns nach Schweden zu schippern.

Na, acht Seemeilen noch. Und der Wind schläft ein. Die Lübecker Bucht halt. Motor an, Segel rein, Ende mit der gemütlichen Ruhe. Auf Fehmarn war es richtig angenehm. Hier Bullenhitze und schwül. In der Trave ankern oder längsseits im Fischereihafen? Rosenhof ist auch eine gute Alternative. Wenn ich allein unterwegs bin, gehe ich gern längseits. Ist entspannter. Mal schauen, welche Möglichkeiten es gibt. Ein Spaziergang, noch etwas trinken, Eis essen kommt heute auch noch gut.

Sonnige Grüße von Bord

HJR

2016-11-08T11:00:47+00:00 8. November 2016|