Urlaubs-/Sommertörn 2016 – Teil 7 (Sassnitz – Warnemünde – Kühlungsborn – Fehmarn)

Urlaubs-/Sommertörn 2016 – Teil 7 (Sassnitz – Warnemünde – Kühlungsborn – Fehmarn)

Wie bereits geschrieben, ziehen wir aufgrund der Windlage in den nächsten fünf bis zehn Tagen unseren Plan durch. Eine Ostwetterlage mit konstant östlichen Winden ist nicht zu erwarten. Bornholm ist nun definitiv vom Törnplan gestrichen! Wir machen uns nun ganz langsam auf den Rückweg. Auch fangen wir das Bummeln an. Der Erholungswert nach nunmehr über zwei Wochen steigt ins Unermessliche. Segeln macht glücklich!

Nun dann, runter mit der Gastlandflagge, wir kommen wieder ins deutsche Hohheitsgebiet. Kurz hinter der Hafenein und -ausfahrt von Swinemünde befindet sich die entsprechende Landesgrenze. Kurs 325 Grad, direkt Hafeneinfahrt Sassnitz. Es erwartet uns ein Kommunal- und Fischereihafen. Ich mag entsprechend diese Atmosphäre, dieses Flair. Nicole geht es ebenso.

Bis heute haben wir keinen Tag an dem wir unterwegs waren, Regen abbekommen. Regen und Gewitter immer nur nachts und/oder während unserer Hafentage. Dem wirklich schlechten Wetter sind wir entkommen. Navigation nach Wetterradar – das Tablet macht es möglich. Auch heute in Sassnitz Sommer-/Sonnenwetter. Der Hafen ist groß und „narrensicher“. Ein Liegeplatz ist immer zu bekommen. Wir sind das erste Mal an dieser Stelle Rügens.

Die Hafenstadt Sassnitz, die nördlichste Stadt der ehemaligen DDR galt seinerzeit als Sehnsuchtsort und ist heute für uns richtig individuell, gemütlich, überschaubar mit kleinem Zentrum, einer wirklich netten Altstadt mit schöner Häuser-Architektur. Bereits jetzt wissen wir, dass wir gern nochmals Halt in Sassnitz machen werden.

Durch den Feuersteinstrand, die Kreideküste mir den berühmten Kreidefelsen, den Königstuhl und der Nationalpark Jasmund, dessen Buchenwälder zum Weltnaturerbe erklärt wurden, besitzt Sassnitz in dieser Kombination ein unschätzbares Alleinstellungsmerkmal. Die kleinstädtische Atmosphäre der Altstadt lebt vom Charme der Tradition mit hübschen Ornamenten an den historischen Villen und Häusern mit üppigem Blumenschmuck. Idyllisch! Auch die moderne Fußgängerbrücke, die in gewagtem Schwung die Oberstadt mit dem Hafen verbindet, ist ein Ausflug wert. Der Hafen pulsiert. Ein- und auslaufende Yachten, Ausflugsschiffe, Fischkutter, U-Boot-Museum, Fischerei- und Hafenmuseum, Gastronmie, für jeden Geschmack etwas dabei. Gut, dass wir hier festgemacht haben!

Für mich immer wieder erfreuend, die Möwen am Steg, auf den Pollern, schwimmend im Hafen mit ihrem Geschrei in jeder Tonlage. Gezeter ohne Ende. Herrlich! Musik in meinen Ohren. Jetzt begrüßen wir aber eine Hallberg Rassy 42 aus Schweden als Stegnachbar. Und, das Mittagessen ist fertig. Nicole hat wieder gezaubert. Dinkelnudeln mit Lachs-Sahnesoße, selbst gebackenes Baguette. Penne a la Nicole – Bordküche exklusiv! So lassen wir den Hafentag geruhsam ausklingen und bereiten uns auf unseren morgigen Langtörn nach Glowe, an der Nordküste Rügens vor.

Nachts kommt manchmal die Erleuchtung! Nix Glowe, auf einen Rutsch nach Warnemünde. Wind aus Nordwest 3 – 4 Bft. Wir müssen nur um die Nordspitze Rügens herum, erst 250 Grad, dann etwa 220 Grad entlang der Mecklenburgischen Küste nach Warnemünde. Etwa 95 Seemeilen. Raus aus der Koje, rein in die Klamotten, noch Wasser bunkern und um 5.15 Uhr ablegen. Frühstück gibt es unterwegs. Wie war das nochmal mit dem frühen Vogel…? Dieses Windfenster nutzen wir!

Tage gibt es, die kannst du hochkant in der Pfeife rauchen. Einfach zum Abgewöhnen. Heute ist so ein Tag. Zumal die „Wetterfrösche“ mal wieder gewürfelt haben. Statt der vorhergesagten 10 bis 12 Knoten Wind aus Nordwest haben wir den gesamten Törn West mit bis zu 25 Knoten Wind. Teilweise hatte er Nordwest. 14 Stunden hoch am Wind mit stark gerefften Segeln sowie Welle schräg von vorn. Ein Rodeoritt ist ein Kaffeekränzchen dagegen. Scheiße! Um es mal deutlich zu sagen. Abfallen und nach Klintholm/DK ist alternativlos, da wir dann dort festsitzen. Die letzten 20 Seemeilen nach Warnemünde ziehen sich. Um 19.45 Uhr liegen wir in der „Hohen Düne“, kaputt, leicht genervt, müde. Haben wir unterwegs Wasser genommen!

Herbst im Juli, 14 Grad, 6 bis 7 Bft. aus West, Hafen-/Ruhe-Kinotag in Warnemünde. Vielleicht auch zwei Tage. Die restliche Urlaubswoche bummeln wir, so der Familienrat. Über Kühlungsborn geht es wieder zurück nach Fehmarn. Gaaaanz langsam!

So, jetzt kommt der Hammer. Wettertechnisch! Von jetzt auf nun fällt den Meteologen ein, dass der Sommer mit östlichen Winden kommt. Verarschen kann ich mich auch selbst. Mehrere Tage Schwachwind, östliche Winde mit drei bis vier Bft. Ich fass es nicht. Hätten wir Bornholm doch machen können. Statt der 95 Seemeilen von Sassnitz nach Warnemünde, etwas über 50 Seemeilen nach Bornholm. Und das bei den erlebten westlichen Winden. Das wäre ein „Sprint“ gewesen. Und wir hättenn auch gemütlich wieder gen Heimat segeln können. Was soll´s. Manchmal ist es wirklich zum Haare raufen mit den Wetterprofis. Die wissen nichts – trotz Computer und meteologischer Hochtechnologie.

In Warnemünde liegend höre ich auch immer gern CH 73 – Warnemünde Traffic. Denn es ist immer etwas los, wird nie langweilig und es gibt viele Neuigkeiten von der Berufsschifffahrt. So auch heute. Der Seenotrettungskreuzer ist ausgelaufen. Eine Segelyacht diftet ohne Mast in der Kadettrinne. Aktion ist angesagt und sämtliche Schiffe werden informiert. Abends Windstärke 7 aus West beim Auslaufen zweier Kreuzfahrtschiffe mit Schlepperhilfe und Lotse an Bord. Kränkung und Abdrift im Fahrwasser der Warnow. Da hat der Kapitän schwitzige Hände!

Samstag, eine Schlechtwetterfront aus Nordwest zieht auf. Um 14.00 Uhr soll es losgehen. Die Vorhersage ist für Kühlungsborn vorgesehen. Was heißt das für uns? 8.30 Uhr ablegen, 11.00 Uhr Hafeneinfahrt Kühlungsborn, 11.15 Uhr fest. Sonne am Vormittag, Wind aus Nord/Nordwest 3 – 4 Bft.. Wieder alles richtig gemacht. Zwei Hafentage genießen wir wieder in Kühlungsborn. Übrigens. 13.00 Uhr, die Front kommt. 14.00 Uhr kein Regen. 15.00 Uhr kein Regen. 16.00 Uhr, es schüttet wie aus Eimern! Mal wieder segeln nach Wetterradar. Das geht jetzt bereits seit drei Wochen so! Aber, nun soll konstantes Sommerwetter kommen. Warten wir es ab.

An dieser Stelle einmal etwas Aktuelles für die Yachties unter den Lesern. In Kühlungsborn gibt es C.A.R.E. – Diesel. Die Vorteile kurz angeführt:

resistent gegen Dieselpest
keine Geruchsbelastung
resistent gegen Alterung
reduzierte Geräuschentwicklung
kein Ruß am Schiffskörper
deutliche Emmissionsreduzierung.

Ab heute tanken wir nur noch C.A.R.E.-Diesel! Das wird ausprobiert; für 1,44 Euro pro Liter. Ist ja ganz schön happig – die Bordkasse muss leiden.

Und, der Sommer ist wirklich zurück. Zum Ende unseres Urlaubs. Leichte Bewölkung bis blauer Himmel. Sonne pur und gute Laune an Bord, die Hafentage in Kühlungsborn tun gut. Also, auf geht es zur Überfahrt nach Fehmarn. Unser letzter Törntag. Gestern haben wir noch unseren obligatorischen Urlaubs-Ende-Drink im „Vielmeer“ zu uns genommen. Der Eigentümer hat nochmals investiert und die Außenterasse vergrößert sowie blumig gestaltet. Noch mehr Flair und Atmosphäre, um gemütlich den Tag und den Urlaub ausklingen zu lassen. Es ist immer wieder schön, einfach dazusitzen und die Menschen zu beobachten. Wie vielfältig, unterschiedlich, andersartig sie doch sind. Besonderes Interesse beim Scannen habe ich bei Ehepaaren. Manchmal kopfschüttelnd, oftmals staunend, häufig zweifelnd, gelegentlich schmunzeld, wie sich zwei Menschen irgendwann gefunden haben, um bis heute gemeinsam durchs Leben zu gehen. Ehepaare?!, Interessengemeinschaften!? Individualisten!? Die Psychologie-Kenntnisse von HJ machen es möglich.

Der Motor brummt vor sich hin. Die See spiegelglatt. Fast Windstille. 10 Seemeilen vor Fehmarn kreuselt bei 7 bis 9 Knoten die See. Wind aus Ost/Südost. Blister-Wind! Ich habe aber keine Lust und so schleichen wir unter Großsegel und Genua 3,5 Knoten schnell gen Burgstaaken.

Schön, wieder auf Fehmarn zu sein. 520 Seemeilen und 40 Motorstunden liegen hinter uns. 15 Städte und Häfen haben wir gesehen. Ein harmonischer, entspannter, relaxter und erholsamer Urlaub neigt sich dem Ende entgegen. Freitag, um 15.08 Uhr geht der Zug via Hamburg nach Hannover. Die Klienten warten, die Arbeit ruft, die beruflichen Verpflichtungen von mir und Nicole erfordern wieder höchste Aufmerksamkeit und entsprechendes Engagement.

Sonnige Grüße von Bord

HJR

Hinweis

Weitere interessante Berichte, Bilder et cetera  unter: https://plus.google.com/u/0/+SYOCEANSPIRIT/posts

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2018-04-10T09:25:16+00:006. November 2016|