Törnbericht: Amsterdam bis Cherbourg (Teil 3)

Törnbericht: Amsterdam bis Cherbourg (Teil 3)

Zwischenstationen Ostende und Nieuwport

Die Welt ist manchmal klein. Bereits in Cuxhaven ist mir die SY Fanta Four in der City-Marina aufgefallen. Einhand-Segler an Bord. Und in Scheveningen sehe ich die Fanta Four auch wieder, läuft kurz vor uns aus. Auf dem Weg nach Zeebrügge überholen wir sie ohne weitere Beachtung. Hat den selben Kurs wie wir. Nur unter Segeln. Da ich von Natur aus neugierig bin, greife ich zur Funke und piepe ihn mal an. Die Kommunikation funktioniert und wir erfahren, dass der Eigner, wie bereits vermutet, allein an Bord ist. Er möchte auch nach Zeebrügge. Dann sehen wir uns ja zum Milchkaffee bei uns an Bord.

So wie wir möchte der Skipper sein Schiff, eine Hanse 370, in den sonnigen Süden überführen. Gleiches Alter, gleiche Gedanken, fast gleiche Ziele, eine nette Kaffeerunde findet mit Gedankenaustausch und Destinations-Optionen nach eineinhalb Stunden ihr Ende. Wir sehen uns Ende Juni auf den Kanalinseln wieder. Seine Frau kommt dort an Bord und die Familien-Crew der SY OCEAN SPIRIT ist dann auch wieder beisammen.

Ein entspannter Hafentag tut wirklich gut! Und dank freies WLAN nutze ich meine kreative Phase, um unsere Homepage zu pflegen.

So langsam geht es in die Normandie, nach Frankreich. Wir haben uns entschlossen, im Hafen von Ostende Mittag zu essen, in Nieuwport eine Nachmittagspause einzulegen, und abends in Dunkerque zu sein. Am darauf folgenden Tag, am Samstag, möchte ich dann weiter nach Bologne su Mer. Planen ist nach wie vor ja nicht verboten.

Freitag, Wetterchaos! Wie war das mit dem Planen? So wie das Wetter in Zeebrügge ist die Stimmung beim Skipper, neblig, nass, ungemütlich und keine Besserung in Sicht. Aber noch einen Tag in Zeebrügge halte ich nicht aus – Depressionsgefahr. Der Wind kommt aus der Richtung, wo wir hin wollen. Die Wettervorhersagen geben keine Hoffnung auf eine wirkliche Besserung. Nun, erst einmal Mittagstisch, Marcel kocht Curryreis mit Fleisch. Mahlzeit!

Um 13.15 Uhr legen wir in Zeebrügge ab und fahren der belgischen Küste entlang nach Ostende. Seenebel, nicht schon wieder eine „Blindfahrt“. Es geht und wir motoren. Sind ja nur 18 Seemeilen bis nach Ostende. Wenn ich mir die bebaute Küste so anschaue, steigt die Depressionsgefahr um ein Vielfaches. Das Wetter trägt natürlich auch einiges dazu bei. Sozialistischer Wohnbau, tiefste DDR-Zeiten. Ein Küstenstreifen zum Abgewöhnen! Gut, dass wir Ostende voraus haben. Aber, die möchten uns nicht. Einlaufverbot! Wie lange, keine Ahnung, kein Kommentar. Egal, langsam in die große Hafeneinfahrt. Der Skipper möchte wieder seinen Kopf durchsetzen. Es dauert keine zwei Minuten, da kommt die Küstenwache mit Blaulicht aus dem Hafen. Ich habe verstanden, wenden auf der „Hochachse“! Zum Trost warten annähernd zehn Schiffe vor dem Hafen, die ebenfalls Einlaufverbot erhielten. Es soll nicht sein, und ich habe bei dem Wetter keine Lust zu warten. Dann nicht, wir fahren die eineinhalb Stunden weiter nach Nieuwport.

Der triste Küstenabschnitt nimmt kein Ende. Eine motivierende Bauarchitektur Fehlanzeige. Und es regnet leicht fast den gesamten Nachmittag. Gut, dass wir unsere Kuchenbude erst gar nicht abgenommen haben. Nach 32 Seemeilen erreichen wir um 18.30 Uhr Nieuwport. Was für ein riesiger Hafen, ausschließlich für Sportschiffe. Wir schätzen mindestens Platz für 2000 Schiffe. Und, so langsam spüren wir die Gezeitenunterschiede. Vier Meter sind es mittlerweile. Das steigern wir noch auf acht Meter, zehn Meter, zwölf Meter!

Als Zwischenstation und Übernachtungshafen ist Nieuwport gut geeignet. Bei allen Gezeiten und Witterungsverhältnissen zugänglich und mit den normal üblichen Einrichtungen ausgestattet. Sogar einen kleinen Markt mit frischen Brötchen gibt es. Nieuwport selbst spricht von kilometerlangen Stränden, Shoppingcenter, kulinarischen Delikatessen, Kunst und Kultur, ruhig und grün. Ich persönlich erspare mir den 20minütigen Fußmarsch in die Stadt. Belgien scheint nicht mein Land zu sein. Ich fühle mich hier nicht wohl.

Morgen machen wir uns auf nach Dünkirchen/Dunkerque und hoffen auf besseres Wetter.

Beste Grüße von Bord aus Nieuwport

HJR

2018-06-05T10:17:06+00:00 2. Juni 2018|