Sommertörn 2015 – Teil 4 (Südschären – Laesö – Anholt – Gilleleje)

Sommertörn 2015 – Teil 4 (Südschären – Laesö – Anholt – Gilleleje)

Bewölkt, leichter Regen, später aufgelockert und trocken, östliche Winde um 4 Windstärken, später abnehmend. Zumindest der Wind passt. Auf nach Laesö und tschüss Schweden. Ein neuer Anlauf, die nördlichen Schären bis Strömstad zu besuchen fest eingeplant. Es ist nun Gewissheit, was zu erwarten ist.

Knapp 33 Seemeilen bis Österby auf Laesö. Alles grau in grau. Bei solch einem Wetter sehen die Schären wirklich depressiv aus. So auch meine Stimmung. Durch schmale Fahrwasser hinaus auf die Ostsee. Auf Laesö waren wir noch nie. Ebenso auf Anholt. Skagen lassen wir somit aus. Nach sechseinhalb Stunden steuern wir Österby an. Der Hafen ist gut gefüllt. Viele Norweger und Schweden flüchten wohl auch alle vor dem Wetter? Auf Laesö machen wir einen Tag Pause. Insel erkunden. Nieselregen, ab Mittag Sonne-/Wolkenmix. Die Bordheizung ist wieder aktiv.

Laesö, vor etwa 3.000 Jahren aus zwei Landzungen entstanden bietet eine 30 Quadratkilometer große dreieckige Insel. Angeblich soll man auf Laesö den Jahreszeiten und der Natur weit mehr ausgeliefert sein als anderswo in Dänemark. Düfte und Stille, so wird Laesö auch beschrieben. Nicht nur ruhig im gewöhnlichen Sinne, sondern vollständig lautlos. Düfte Stille, Ruhe, Tangdächer, Hummerhütten, weißes Gold (Laesö-Salz), Strandleben, Gewürzparadies, Naturanderungen und Familie Rathe mit Bus und Anhalter auf Inselerkundung. Was für ein Erlebis. Es sind immer wieder die netten Kommunikationen von Schiff zu Schiff, mit den Einheimischen und in unserem Fall insbesondere mit „unserem“ Busfahrer und der netten älteren Dänin, die uns per Anhalter von Vesterö Hafen quer über die Insel bis Österby Hafen mitgenommen hat. 250 Häuser stehen auf der Insel zum Verkauf. Immer mehr Schweden und Norweger kaufen sich auf Laesö eine „Sommerresidenz“. Die Insel überaltert! Acht Schulkinder werden aktuell von der ersten bis zur neunten Klasse unterrrichtet. So genießen wir die Ruhe und schönen Erlebnisse für zwei Tage. Für Donnerstag sind westliche Winde mit drei Windstärken angesagt. Die Sonne soll scheinen und 50 Seemeilen sind es bis Anholt. Ablegen um 5.45 Uhr. Erstmal unter Motor aus dem Hafen, Tonnen- und Flachwassernavigation in Richtung Ost, somit östlich um Laesö herum, dann direkter Kurs Süd gen Anholt. Es wird ein sonniger Segeltag mit konstantem Wind. Nach acht Stunden liegen wir längsseits im Hafen von Anholt.

An dieser Stelle einmal eine kurze Einweisung bezüglich dem Hafenmanöver. Von wo kommt der Wind? Wie wird das Wetter in der Nacht und am folgenden Tag? Box ode längseits am Steg? Luv oder Lee? Werden wir an den Steg gedrückt oder vom Steg weg? Wie groß ist der Manövrierraum? Wie tief müssen die Fender gehängt werden? Wasser- und Stromanschluss? In Schiffsnähe? Schlechtes Wetter ist für die Nacht sowie tagsdrauf angekündigt! Windvorhersage: W/SW 5 bis 7, Böen 8 – 9.

Anholt liegt mitten im Kattegat und ist damit die weiteste von der dänischen Küste entfernte Insel. Uns gefällt Anholt. Eine etwas andere Ausstrahlung. Schöne Sandstrände direkt am Hafen, die Hafenkulisse strahlt auch etwas aus. Der Hafen selbst ist geräumig und sicher. Der Westteil der Insel bildet eine große Moränenlandschaft. Es gibt Dünen, Heidelandschaft, Kiefernwälder, Strandwiesen und mal wieder Einsamkeit pur. 160 Menschen leben auf Anholt. 6.000 sind es in der Sommersaison. Für Segler ein beliebtes Ziel.

Die Wettervorhersage passt. Bereits in der Nacht kachelt es. Der Wind heult durch den Hafen und in den Wanten. Schräglage am Steg. Und aufgepasst, der Wind drückt die Ocean Spirit wie geplant weg vom Steg. Fender und Schiff werden geschont. Die einzigen die leiden, sind die Festmacherleinen. Dafür sind sie auch da. Also, einen Tag abwettern, die Sonne genießen und den stürmischen Wind ignorieren. Alles ist gut. Wanderschuhe an, Rucksack gepackt und auf geht es kreuz und quer über die Insel. Die Wellen schlagen über die Hafenbefestigungen. Das Wasser rückt mächtig in den Hafen. Gut, dass wir uns in die fast letzte Ecke verzogen hatten. Kaum Schwall. Draußen bestimmt mehr als drei Meter Welle! Und das bei einer Wassertiefe von 4 bis 10 Metern. Na dann, viel Spaß. Mal schauen, was der nächste Tag windtechnisch so vorhat? W/SW soll bleiben. Restdünung sicherlich auch. Drei Beaufort sagen die Wetterexperten, nachmittags südlicher umlaufend 1 bis 2. Etwa 55 Seemeilen sind es bis Gilleleje. Nicole´s Lieblingshafen. Es wir ein perfekter, sonniger und entspannter Segeltag. Nach Stunden, davon die restlichen 15 Seemeilen unter Motor liegen wir im Hafen von Gilleleje. Rappelvoll! Hier steppt der Bär! Wo kommen die Segler bloß alle her?

Gilleleje liegt an Seelands nördlichstem Punkt und ist eine lebhafte kleine Touristen-, Handels- und Fischerstadt mit Seelands größtem Fischereihafen. Idyllische kleine Gassen, Reetdachhäuser, ein super guter Fleischer, sowie ein reges kulturelles Leben. Die Hafen atmosphäre ist ganz besonders. Fischgeschäfte, Fischräucherei, Werft, ein- und auslaufende Fischerboote und Trawler. Nach den eher ruhigen Tagen nun mal wieder mehr Trubel. Ist aber auch schön. Vielleicht macht es die Abwechslung? Die visuellen Reize der mannigfaltigen unterschiedlichen Eindrücke, das muss alles verarbeitet werden. Somit: blauer Himmel, Sonnenschein, Stadtbummel, Klönnachmittag, Fischessen, Milchkaffee und Kuchen am Nachmittag und die Pflege der sozialen Kompetenz mit dem Eignerpaar der SY Freedom, die spätnachmittags bei uns längsseits festgemacht haben. Ein guter Tag geht so langsam zu Ende.

Sonnige Grüße von Bord

HJR

Hinweis

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2016-11-02T16:34:16+00:002. November 2016|