Sommertörn 2015 – Teil 2 (Kopenhagen – Göteborg)

Sommertörn 2015 – Teil 2 (Kopenhagen – Göteborg)

Die Klappbrücke am Christianshafen öffnet pünktlich um 09.00, seit 6.00 Uhr zu jeder vollen Stunde. Die Ocean Spirit schlängelt sich durch das Nadelöhr wieder in den Sund. Der Öresund empfängt mich mit 3-4 Bft. aus West /eher nordwestlichen Winden, Kurs 10 Grad. Es geht entlang der Insel Ven in Richtung Norden, östlich der Haupt-Schifffahrtsstraße rund 25 Seemeilen in die Marina von Helsingborg. Kopenhagen geht mir auch am nächsten Tag nicht aus dem Kopf. Tue ich Dänemarks Hauptstadt Unrecht? Vielleicht sieht doch alles mit Familie anders aus. Eventuell mehr Zeit einplanen. Christiania war ein Erlebnis; frei laufende Junkies, Verkaufsstände der besonderen Art, ein Völkchen für sich. Leben ohne heute und morgen, im Jetzt, für den Moment. Ich komme mit mir überein, dass Kopenhagen auf jeden Fall eine zweite Chance bekommt.

Die „Neuzeit“ empfängt mich in Helsingborg mit einem sehr modernen neuen Hafen, pulsierendem Leben, netter Altstadt, blumig, offen, nett. Schön, gefällt mir!

In Helsingborg möchte man(n) nochmal jung sein. Hübsche Schwedinnen ohne Ende. Irgendwo muss hier ein Nest sein. Eine shöner, hübscher als die andere. Im Cockpit sitzen, stundenlang, und die Menschen auf der Promenade, in den Cafe´s und Lokalitäten beobachten; jede Person schreibt eine eigene Story. Längsseits mitten im Geschehen. Indisches Ehepaar mit Mutter und Kinderwagen, pubertierende Heranwachsende, Männerfreundschaften der besonderen Art, Cafe to go, Eis schlemmend, Frauentalk, Asiaten, top gestylte ältere Ehepaare, Businessleute, Dicke, Dünne, Große, Kleine, Fotografierende, Scheue, Zurückhaltene, Fröhliche, Murrende und, und, und. Gern beobachte ich Menschen, analysiere Körpersprache, Gestik und Mimik; mach mir so meine Gedanken. Farradfahrende, Inlineskater, Skateborder, Oma, Opa, Enkel, Urenkel. Manchman, ganz vorsichtig werde ich angesprochen. Aus Hannover? Mit dem Schiff? Wow, Wie geht das denn? Über die Nordsee? Wie lange sind Sie unterwegs? Staunende, Zweifelnde, Mißmutige, Strahlende, Neidvolle, Zustimmende, was für eine Vielzahl von Personen unterschiedlicher Nationalitäten. Helsingborg ist eine Reise wert! Es geht nichts über „Hafenkino“.

Nun, auf geht es nach Torekov zum Hafenfest. Helsingborg empfängt die Ocean Spirit auf der Rückreise samt Familie wieder. Blauer Himmel, Sonnenschein, Motorwind. Torekov, ein Ort in der südschwedischen Provinz Skänelän/Westschweden, Kattegat-Küste. Die Sonne sticht, der Motor brummt vor sich hin. Knapp 900 Einwohner, Sommerhäuser vieler Schweden, große Autos auf dem Parkplatz und ein guter Liegeplatz für das Schiff. Scheint ein Urlaubsgebiet zu sein. Familienferien made in Schweden auf der Bjäre-Halbinsel. Die vorgelagerte Insel Väderö bietet auch gute Ankermöglichkeiten. Der Skipper entscheidet sich aber für das alte Fischerdorf Torekov. Hübsche Häuser, ursprüngliche Ortsteile, Fisch vom Fischermann, super Bäcker (nur zu empfehlen), urgemütlich. Im Winter möchte ich jedoch hier nicht stranden!

Wie war das noch gleich? Nach Flaute kommt erfahrungsgemäß Starkwind. Etwa 50 Seemeilen bis nach Varberg, Schwedens Kurort, Schuhstadt und beliebtes Touristenziel mit populärer Strandpromenade, dem ganzjährig zu nutzenden Kaltbadehaus und der schönen, asphaltierten Promenade. Nicht zu vergessen ist die imposante Festung aus dem 13. Jahrhundert mit einem super Ausblick über das Kattegat. Hier ist richtig was los. So langsam komme ich in Schweden an. Ein Leben an Bord, das bietet Schweden mit einer Küstenlinie von 2.500 Kilometer. Dazu kommen eine Vielzahl von Buchten, Kaps und Inseln. Über 60.000 Schären längs der gesamten Küste, sowie den vier größten Seen mit den angrenzenden Kanalsystemen. Aber das ist ein gesonderter Beitrag wert.

Vorahnung! Richtig! Eine steife Brise aus Südwest. Wie auf Schienen. Die Ocean Sprit „pflügt“ sicher durchs Wasser in Richtung südliche Schärenlandschaft von Göteborg. Die Inseln Vranjö, Donsö, Vargo, Asperö und weitere kommen in Sicht. Die Schärennavigation beginnt. Das Tagesziel lautet Donsö. Für den Anfang nicht schlecht. Macht Appetit auf mehr. Das ist etwas für´s Auge. Neue visuelle Eindrücke, super. Und das ist erst der Anfang, wie mir Einheimische berichten. Vorfreude auf Familie und die geplante Strecke nach Srömstad und zurück kommt auf. Erst eiunmal genieße ich Donsö.

Die Insel Donsö ist ein großes Fischereizentrum. Und, wie beschrieben, ein Reedereiort. Sogar ein Denkmal der Inhaberfamilie der Stenaline ist am hafen zu bewundern. Die Pizzeria wird am nächsten Tag ausprobiert. Das Restaurant am Hafen ist für den Rückweg mit eingeplant. Auf der Heimreise haben wir dann die Qual der Wahl. Geschützt, östlich der Schären, im „Innenfahrwasser“, oder westlich, auf offener See. Warten wir das Wetter ab und was der Familienrat entscheidet. Nun aber erst einmal den Rucksack aufgeschnallt, Schuhe an und auf gehts es zur Erkundungstour. Kurze Gespräche mit einzelnen Einwohnern, Artikuliaton mit Händen und Füßen, etwas Deutsch, ein paar Brocken Englisch. Wenn die „Chemie“ stimmt, funktioniert auch die Kommunikation immer. Auch ohne große Worte. Viele norwegische Schiffe liegen im Hafen. Einige deutsche Yachten sind auch auf der Durchreise. Auf der Insel Donsö bleibe ich erst einmal einen Tag. Zumal in der Nacht Starkregen angesagt ist. Noch bis Mittag des darauffolgenden Tages schüttet es wie aus Eimern. Lesephase. Die Kriminalromane von Nesboe und Adler-Olson sagen mir zu. Insbesonder Nesboe schreibt wirklich sehr gut.

Bevor es nach Göteborg geht – noch etwa 15 Seemeilen bis zum Stadthafen von Lilla Bommen – wird noch ein kleiner Mittagsstopp auf der Insel Styrsö eingelegt. Mal wieder Ruhe pur, von Hektik und Stress keine Spur. Alles geht geruhsam seinen Gang. „Niemand ist auf der Flucht“. Hätte ich auch laufen können. Die beiden Inseln Styrsö und Donsö sind seit 1973 mit einer Brücke verbunden. Der Köllösund lohnt auch.

Geschafft. Nach zehn Tagen, 315 Seemeilen und 25 Motorstunden ist Göteborg erreicht. Nun freue ich mich auf Frau und Sohn. Die Familie ist dann wieder vereint. Der Flieger kann kommen.

Ein kurzes Fazit der Anreise ergibt ein klares Bild. Persönlich hat mir Helsingborg am besten gefallen. Kopenhagen und Göteborg haben große Namen. Die Städte hauen mich nicht wirklich vom Hocker. Das bisherige Schweden gefällt mir besser als Dänemark (mit kleinen Ausnahmen). Die erstmals in Augenschein genommenen Schären wecken Vorfreude auf den weiteren Törn, kreuz und quer durch die Inselwelt Westschwedens.

Sonnige Grüße von Bord

HJR

Hinweis: Weitere interessante Berichte, Bilder et cetera  unter: https://plus.google.com/u/0/+SYOCEANSPIRIT/posts

2016-11-02T16:21:57+00:002. November 2016|