Sommertörn 2015 – Teil 1 (Fehmarn – Klintholm – Kopenhagen)

Sommertörn 2015 – Teil 1 (Fehmarn – Klintholm – Kopenhagen)

Auf geht´s in das grenzenlose Naturreservat Schwedens. Via Kopenhagen und Göteborg in die Westschären nach Schweden hinauf bis zur norwegischen Grenze und wieder zurück nach Fehmarn. Lieblich und schroff, ebseno freundlich und unnahbar präsentiert sich das Land im hohen Norden – ein Traumziel vieler Segler. So die Planung. Mal sehen ob sie verwirklicht werden kann.

Lange war es ein Ziel die Nordlandsommertage voll Licht und Klarheit mit den unzähligen „Felsbuckeln“ millionen Jahre alten, den kleinen romantischen Fischerorten und Buchten zu besuchen. Die kleinen Hafenstädte mit den meerverbundenen Menschen einmal näher kennenzulernen. Rund 300 Seemeilen sind es bis Göteborg. Dann in gemütlichen Tagestörns von Bucht zu Bucht, von Hafen zu Hafen, den Sommer genießen, entspannen, familiäre Zeit haben, den Akku für die berufliche Jahresendralley wieder aufladen.

An Bord der Ocean Spirit wird zur Zeit gewienert und geputzt. Reisefein machen. Teakdeck schrubben, GFK polieren, eine neue eleketrische Toilette im Vorschiff-Badezimmer steht auch noch an.

Montagmorgen, 4.30 Uhr, aufstehen, Duschen, Frühstück. Um 6.00 Uhr soll es losgehen. Ein verschlafener Blick aus dem Fenster, Dämmerung, tiefe Wolkendecke, grau in grau. Hallo, wir haben Juli, der Sommermonat. Nichts desto trotz, auf geht es! So starte ich fast pünktlich. Westliche Winde, drei Windstärken – Rückenwind. Zum Einstieg und warm werden Kuschelkurs. Rund 70 Seemeilen bis Klintholm auf der Insel Mön. Um 18.00 Uhr habe ich vor im Hafen von Klintholm zu Abend zu essen. Bitte mit Sonnenschein, im Cockpit braun gebrannt. So soll es werden!

Gemäß dänischem Marketing, die schönste Insel Dänemarks – Mön – Natur, Kultur, Stadt und Land sowie Möns Klint, die Naturattraktion Dänemarks, nein, Skandinaviens. Möns Klint ist etwa 6 Kilometer lang und die weißen Kreideklippen ragen mehr als 130 Meter von der türkisgrünen Ostsee bis zum durch Buchenwald gekrönten Gipfel hinauf. Dann lasse ich mich mal überraschen.

Die ersten Meilen südlich entlang Fehmarns bis Gedser, dem dänischen Fährhafen mit Pendelverkehr nach Rostock-Warnemünde werden gemütlich mit moderaten westlichen Winden abgespult. Der Reissalat zum Mittag schmeckt vorzüglich, wenig Schiffe, keine Welle, Meile um Meile gen Osten. Aber damit keine Langeweile aufkommt, nimmt der Wind nach dem Mittag zu, dreht auf Nordwest. Raumschotkurs, 7 bis 8 Knoten über Grund. Mit vollen Segeln bis zur Hafeneinfaht Klintholms in rund zehn Stunden. Pünktlich zum Nachmittagskaffee mit Zuckerkuchen. An Bord wird nämlich auch gebacken.

Yachten, wie auf einer Perlenschnur gezogen, laufen den Hafen aus allen Richtungen an. Klintholm wird als charmanter Yacht- und Fischereihafen beschrieben. Charmant ist etwas anderes. Meiner Meinung nach typisch dänisch. Steril, langweilig, verschlafen, ruhig. Ist auch in Ordnung. Dänemark spezifische Ferienhäuser und -wohungen in einer guten Symbiose mit den Stegen für Boote und Yachten. Ok, vielleicht ein bisschen Flair, eine gewisse Idylle ist vorhanden. Der Hafen bietet Supermarkt, über 100 Jahre alte Lagerhäuser, in dem Künstler Gemälde, Fotografien, Keramik und so fort ausstellen und feilbieten. Eine Fischräucherei und auch Fahrradverleih komplettieren das Angebot.

An der sechs Kilometer langen Kreideklippe geht es tagsdarauf weiter nach Kopenhagen. Die Kreideformationen, die die Klippen bilden stammen von Kalkschalen winziger einzelliger Algen aus dem warmen, tropischen Meer, das Dänemark in der Kreidezeit vor etwa 75 Millionen Jahre bedeckte. Über Millionen von Jahren wurden die Schalen abgelagert und bildeten eine dicke Schicht von Kreide am Meeresboden.

Motorwind ist angesagt. 60 Seemeilen nach Kopenhagen, Windstille, spiegelglattes Wasser, fast wolkenlos, die Sonne brennt, der Skipper relaxed. Die Ruhe vor dem Sturm? Einmal Kopenhagen. Viele Segler und Nichtsegler schwärmen von Dänemarks Hauptstadt. Das ist schon gefährlich, denn, wenn sich die Masse für etwas begeistern kann, ist das bei Rathe ein Alarmzeichen. Somit null Chance, auch eine Zustimmung zu bekommen.

So tuckert die Ocean Spirit Stunde um Stunde, Meile um Meile mit konstant 6,7 Knoten bei 1.300 Umdrehungen gen Norden. Der Gori-Faltpropeller macht´s möglich. Spargang ist eingeschaltet. Spart pro Stunde eine Menge Diesel. Kopenhagens Flughafen an Backbord, das Industrie-Arenal ebenfalls. Sieht ja nicht gerade einladend aus. Jedoch kommt so langsam Spannung auf. Einfahrt in die Stadt, Kreuzfahrer auf Gegenkurs, Dreimaster auf Kollisionskurs, Taxiboote, Touristen-Barkassen, Sportboote, es wimmelt nur so auf dem Wasser. Wenn Kopenhagen, dann Christianshafen. Christianshafen? Wo ist der Christianshafen? Gegenüber dem Nyhafen! Einfahrt verpasst. Mist, alles voll. Brückensperrung. Geschlossene Klappbrücke. Öffnungszeiten – Fragezeichen. Keine Beschilderung, keine Wegweiser. Es wimmelt von Menschen an den Ufern. Volle Lokalitäten, Baustellen ohne Ende. Gut auf dem Wasser zu sein. Meine Unmut wächst. Seit einer Stunde gurke ich jetzt rum. Da, die Klappbrücke öffnet sich um 19.00 Uhr. Wahnsinn, Zeit für einen Milchkaffee bleibt. Es passieren noch Wunder. Längsseits am Wartekai festgemacht und die Stimmung steigt wieder.

Übervoller Hafen. Der Christianshafen ist wohl das Highlight der Segler. Hat ja auch etwas. Brücke pünktlich offen, rein in den Kanal, kein Platz zum Manövrieren. Zwei- und Dreierpäcken. Immer schön locker bleiben. Schließlich findet auch die Ocean Spritit längseits einer dänischen Motoryacht ihren Platz für die Kopenhagen-Stippvisite. Denn auf dem Rückweg ist ein Stopp mit der Familie fest eingeplant. Schön, mal wieder alles nach Plan gelaufen. Nun eine gute Nacht, denn am nächsten Morgen ist eine kurze Kopenhagen-Erkundungsrunde angesagt. Da bin ich gespannt. Meine Begeisterung hält sich nach wie vor in Grenzen. Bisher haut mich Kopenhagen nicht vom Hocker. Der nächste Tag bestätigt den ersten Eindruck. Oder habe ich nur einen schlechten Tag. Bin halt kein Stadtmensch. Ja, mal schön anzuschauen, teuer, laut, sorry Kopenhagen, nichts für mich. Vielleicht bekomme ich auf der Rückreise eine andere Meinung!? Also, auf nach Schweden! Tagesziel Helsingborg.

Sonnige Grüße von Bord

HJR

Hinweis: Weitere interessante Berichte, Bilder et cetera  unter: https://plus.google.com/u/0/+SYOCEANSPIRIT/posts

2016-11-02T16:16:44+00:00 2. November 2016|