Begegnungen: Mister B. – Herrscher der Marina von Norderney

Begegnungen: Mister B. – Herrscher der Marina von Norderney

Lange ist es her, dass wir mit unserem „Dampfer“ die „Königin der Nordsee“ besuchten. Das Dovetief lässt mal wieder grüßen. Der Funke ist bei mir bis heute nicht richtig rübergesprungen.. Die Norderneyer scheinen die Nase etwas zu hoch in den Wind zu halten. Da ist der Skipper sehr sensibel. Jedoch hat Norderney schon eine exponierte Lage und weiß auch über die eigene Stellung als fast tidenunabhängiger Hafen, der von vielen „Transitseglern“ aus den westlichen Anreinerstaaten als exellenter Zwischenstopp auf dem Weg in die Ostsee angelaufen wird. Fast tidenunabhänig, weil Dovetief und Schluchter, insbesondere bei Niedrigwasser und/oder nahe Niedrigwasser sowie auch bei suboptimalen Wind- und Wetterverhältnissen jeden Skipper die Schweißperlen auf die Stirn zaubern. Auch die Segler und Motorbootfahrer, die aus der Ostsee kommen und gen Westen wollen, nutzen Norderney als beliebtes Zwischenziel. Dessen ist sich Norderney bewusst. Mehr als 760.000 Gäste sowie über 3,5 Mio. Übernachtungen zählt die Statistik. Das ist ja schon eine Hausnummer! Für uns als Familie jedoch weiterhin keine wirkliche Alternative.

Damit ich nicht missverstanden werde, Norderney ist schon eine Perle zwischen der deutschen Küste, zwischen den Niederlanden und Dänemark. Sie bietet alles, was das Touristenherz sich so wünscht. Massenbespaßung mit Natur, Sonne, Strand, Wellness, und, und, und. Als 150-jähriges Staatsbad ist es eventuell angebracht, etwas arrogant, abgehoben und selbstbewusst daherzukommen. Schon allein die Frage Norderneyer oder Insulaner erregt die Gemüter.

So unberechenbar, eigenwillig und nicht ganz planbar Dovertief und Schluchter, die Ansteuerungs-Fahrwasser von Norderney einen Yachtie empfängt, so ist das „Willkommen im Hafen von Norderney“, wenn Mister B. aus seinem Büro raus auf die Stege die ankommenden Skipper begrüßt. Während der zwei Tage, die ich mit Daniel, meinem schweizer Mitsegler auf Norderney verbrachte, verging kein Augenblick, indem die ankommenden Skipper als erstes nicht eine „rote, gelbe, gelbrote Karte“ entgegennehmen mussten. Kommunikation, Herzlichkeit, Willkommenskultur et cetera sieht meiner Meinung nach anders aus. Auch ich hatte mich bei unserer Ankunft gleich mit Mister B. in den Haaren. Solche Typen sind bei mir an der richtigen Adresse. Da gibt es Gegenwind, aber massiv. Und dieser Gegenwind kann Sturm- und/oder Orkanstärke erreichen.

Einige Beispiele aus dem vereinfachten Repertoir:

„Sehen Sie nicht, dass die Box zu klein ist“?
„Hier können Sie nicht liegen, die Fingerstege sind für Schiffe bis zehn Meter“. (Alle Fingerstege sind bis zehn Meter!)
Sie dürfen das Schiff nicht abspritzen, es ist nur für Trinkwasser geeignet“.
„Sparen Sie bitte mit dem Trinkwasser“.
„Sie müssen sich sofort anmelden“!
„Bezahlen müssen Sie auch“!

„Das geht nicht, das dürfen Sie nicht, das müssen Sie“; meine Nerven! Haben wir es mit Menschen zu tun? Der Ton macht die Musik! Ob das an seinem Haarschnitt liegt. Zuviel Sonne auf Hirn, ist auch nicht gut!

Sie dürfen dies nicht, Sie müssen das, beachten Sie bitte dies und das und jenes. Der Mann ist Stress pur. Ich empfehle Mister B. einen Kommunikationskurs mit sozialer Kompetenz. Am besten, vorformulierte Sätze zum Auswendiglernen.

Werden so die Yachties begrüßt?

Niederländische Schiffe, englische Schiffe, belgische Yachten, dänische Boote, Norderney zeigt sich an dieser Stelle von der bestmöglichsten Seite. Stolz erzählte mir Mister B., dass mittlerweile viele Skipper an Norderney vorbei segeln/fahren. Darauf kann er wirklich stolz sein!

Ein schweizer Schiff mit zwei älteren Männern an Bord, bei Starkwind leicht abgekämpft und froh, den Hafen von Norderney bei hoher Dünung heil erreicht zu haben, die Festmacherleinen noch nicht ganz fest, Mister B. ist wirklich in seinem Element. Wieder ein Opfer gefunden! Die armen Schweizer. Ob sie diese spezielle norddeutsche Art richtig verarbeiten können? Jedenfalls wurden sie an diesem Abend nicht mehr gesehen!

Aus meiner Sicht ist ein Hafenmeister die „Visitenkarte“ eines Hafens, einer Ortschaft, einer Stadt. Zugleich auch Informations-Brooker und Kommunikator in einer Person. Dieses Anforderungsprofil erfüllt Mister B. Jedoch bei weitem nicht. Wer kennt die drei Affen? Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen – nur austeilen!

Bin ich allein mit meiner Meinung? NEIN! Nicht nur mein Sympatikus Daniel schaut mich nur ungläubig an. Was er wohl denkt? Viele Skipper schütteln nur den Kopf. Schweigen! Meine Frage nach einem Friseur, nach einem guten Restaurant indem wir gut Fisch essen können et cetera werden nicht und/oder mehr als ungenügend beantwortet. Entschuldigung, dass ich gefagt habe. So erkunden wir zu Fuß und mit Rucksack sowie Kamera bestückt Norderney. Speisen im „Extrablatt“ (kann ich empfehlen), stöbern hier und dort. Norderney hat sich in den letzten Jahren nicht viel verändert.

Mein zukünftiger schweizer Schiffseigner (hoffentlich auch eine Sunbeam) sieht Norderney als eine andere Welt – eine Insel zum Durchatmen. Zurückhaltende Begeisterung als Schweizer Staatsbürger. Für Daniel ist alles neu.

Statt wie geplant nach Amsterdam segeln wir von Norderney zurück nach Helgoland. Die nächsten Tage sind westliche Winde prognostiziert Wir sind der Meinung, dass müssen wir uns als „Rentnergang“ nicht antun. Und blasen soll er auch noch dazu. Stunden unter Motor gegenan. Muss das sein? NEIN! Auf geht es somit zur Langen Anna!

 

 

Sonnige Grüße von Bord

HJR

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2017-06-13T08:20:42+00:0023. Juni 2017|