Auf dem Weg nach Gibraltar

Auf dem Weg nach Gibraltar

Einmal mit unserem „Schmuckstück“ nach Gibraltar!

Ich bin wieder Einhandsegler und der letzte Abschnitt meiner diesjährigen Segelreise von Fehmarn bis nach Almerimar mit über 3.000 Seemeilen steht bevor. Und der Höhepunkt als solches, Gibraltar, wartet auf mich. Ich habe meinen freien Tag in Cadiz entsprechend aktiv genutzt um Wäsche zu waschen, kleine Einkäufe zu tätigen, Törnberichte zu schreiben, sauber zu machen. sowie das wieder Alleinsein zu genießen, und natürlich Cadiz nochmals zu Fuß zu durchqueren. Das Wetter spielt auch mit. Strahlende Sonne von einem tiefblauen Himmel von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr. Lufttemperatur 25 Grad, Wassertemperatur 22 Grad. Das ist Wahnsinn. Bis auf kleine „Wetterstörungen“ soll es auch die nächsten Tage so bleiben.

Am Donnerstag, den 25. Oktober 2018 um 7.30 Uhr habe ich in der Puerto America Marina in Cadiz abgelegt. Der Vollmond steht im Westen noch hoch am Himmel. Was für eine morgentliche Stimmung. Schön in den Tag hinein zu segeln. Noch weiß ich nicht, ob ich bis Gibraltar direkt durchsegle oder einen Stoppover in Bernate oder Tarifa mache. Mal schauen wie es läuft.

Ich freue mich auf den Affenfelsen. Bin wirklich neugierig, was mich erwartet. Gleichsam freue ich mich auch wieder auf Zuhause. Das Alter, meine Familie fehlt mir. Ich möchte gerne meine Erlebnisse teilen, nicht nur die Wärme der andalusischen Sonne, sondern auch die wohlige, zwischenmenschliche Wärme meiner liebenden Ehefrau nebst Junior spüren. Da habe ich wohl mal wieder meine sensible Phase!?

Bei aufgehender Sonne geht es entlang der nordwestlichen spanischen/andalusischen Küste bis zum Kap Trafalgar, und mit einer kleinen Kursänderung nach Südost weiter in die Straße von Gibraltar, der südlichsten Spitze Spaniens. Die gesamte Küstenlinie ist von der Wassertiefe eher flach. Selten tiefer als 50 Meter. Erst in der Straße von Gibraltar, in der Inshor Traffic Zone, zeigt das Echolot mehr als 100 Meter Tiefe an.

Was tun sprach Zeus? Die neue Marina in Barbate im Nirgendwo oder der Fischereihafen in Tarifa? Warum nicht gleich durch bis Gibraltar.

Die Seekarte warnt in der Straße von Gibraltar vor Walen. Kollisionsgefahr. Von April bis August ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Auch das Alboranmeer, gleich hinter der Straße von Gibraltar, ist Walgebiet. Dieses Erlebnis lasse ich mir mit der Familie im nächsten Frühjahr nicht entgehen. Die Ocean Spirit auf Walfang. Wie geil ist das denn? Das wird ein Erlebnis. Delfine. Pottwale, Orcas und so fort. Das ist kein Seemannsgarn! Alle Ungläubige bitte ich zu recherchieren oder gleich eine Wal-Watching-Tour auf der Ocean Spirit zu buchen.

Ich darf nicht vergessen, die englische Gastlandflagge zu setzen. Die Queen wird sonst nicht erfreut sein. Schließlich gehört Gibraltar zum Vereinigten Königreich und ist zugleich britisches Überseegebiet. Der Außenposten an der Südküste Spaniens wurde ursprünglich im Mittelalter von den Mauren besiedelt, und stand später unter spanischer Herrschaft. 1773 wurde das Gebiet an Großbritannien abgetreten. Gespannt bin ich auf die gut erhaltenen Festungsanlagen hinsichtlich der Überreste einer maurischen Burg aus dem 14. Jahrhundert. Und natürlich bin ich hoch erfreut, unsere nahen Verwandten in freier Wildbahn zu erleben.

Bis Kap Trafalgar genieße ich ein wunderschönes Segeln bei moderaten ost-nordöstlichen Winden. Dann brodelt das Meer. Einige flache, sehr flache Stellen und die Strömungen lassen das Wasser „kochen“ Kursänderung auf 120 Grad, ich biege in Richtung „Straße von Gibraltar“ ab. Nichts mehr mit Ostwind. Gegen die Vorhersage Südost mit 20 Knoten auf die Nase. Dazu noch Gegenstrom. Scheiße! Um es mal deutlich auszusprechen. Auf der Höhe von Barbate muss ich mich entscheiden. Ab in die Marina und auf morgen hoffen oder weiter gegen an. Noch 13 Seemeilen bis Tarifa, der Gegenstrom nimmt ab. Ich ziehe das durch bis Gibraltar. Morgen soll es regnen. Dann Starkwind aus West. Nun dann, auf einen nicht so guten Tag folgen von Gibraltar bis Almerimar wieder super Segeltage.

In der Ferne voraus sehe ich bereits die Bergkette von Marokko, gleich gegenüber von Gibraltar. Ich fahre weiter unter Land in der Hoffnung auf Schiebestrom und weniger Wind. Denn der dreht jetzt auch wieder auf Ost. Meine Strategie geht auf, das Meer ist ruhig. Sechseinhalb Knoten Geschwindigkeit über Grund. Die Küstenlinie gefällt mir. Felsig grün, einige Dörfer, dazu auch schroffe Abschnitte. Kurz vor Tarifa habe ich den „Jetstream des Meeres“ erwischt. Ost setzender Strom. Und was für ein Panorama an Steuerbord. Die marokkanische Küste mit der Berg-/Hügelkette südlich der Straße von Gibraltar. Jetzt bin ich drin in der Meerenge zwischen dem Mittelmeer im Osten und dem atlantischen Ozean im Westen. Sie trennt Marokko von Spanien. Sie ist etwa 65 Kilometer lang und 14 bis 44 Kilometer breit. Die Straße von Gibraltar ist eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt, die täglich von etwa 300 Schiffen durchfahren wird.

Um 16.15 Uhr lasse ich Tarifa an Backbord. Noch 13 Seemeilen dann laufe ich in Gibraltar ein. Jetzt wird es langsam spannend. In der großen Bucht von Gibraltar wimmelt es nur so von Schiffen jeglicher Art. Das ist ja befahrener als auf der Elbe vor Brunsbüttel.

Geschafft, um 18.45 Uhr, 17.45 Uhr Ortszeit, mache ich in der Marina Bay-Marina in Gibraltar fest. Der erste Eindruck bestätigt sich. Der Höhepunkt, mit dem eigenen Schiff in Gibraltar einzulaufen.

Schönen Abend noch aus Gibraltar

HJR

2018-10-29T12:22:27+00:0029. Oktober 2018|