Die letzte Etappe der 3000 Meilen-Reise

Die letzte Etappe der 3000 Meilen-Reise

Neunzig Seemeilen sind es noch bis Almerimar!

Um 7.15 Uhr starte ich heute meine letzte 3000 Meilen-Etappe von Fehmarn bis Almerimar. Über Nacht ist der Herbst in Andalusien eingekehrt, das Thermometer zeigt 8 Grad Celsius. Eine Kaltfront zieht gerade durch. Volle Bewölkung und eine steife Brise aus Nordwest.

90 Segeltage voller Erlebnisse, Begegnungen, Erfahrungen, neuer Sichtweisen, netter Menschen, historische Städte, Land und Leute, Mentalitäten, Kultur und meine persönlichen Favoriten wie zum Beispiel die Kanalinseln, die Südbretagne mit den französischen Inseln im Atlantik, La Rochelle, San Sebastian, A Coruna, Porto und schließlich als emotionaler Höhepunkt Gibraltar.

Mein letzter Törnabschnitt heute am Sonntag hat es nochmal in sich. Gestern harmonisch, heute „Bullenreiten“. Aufgewühltes Meer, kurze Welle, nichts mehr mit angenehmer Zwei-Meter-Atlantikdünung. Es soll sich über den Tag aber wieder beruhigen. Der Wind pfeift von den Bergen von Malaga herunter. Hinzu kommt, dass ich nicht mehr die Ruhe, wie vor kurzem, habe, und mein Herzstück sowie Junior warten auch. Die Pflicht ruft auch immer lauter.

Ein großes Lob an unsere OCEAN SPIRIT. Bei vernünftiger und kompetenter Behandlung ist sie ein Garant für sicheres, schnelles und bequemes Segeln. Verlässlich und gutmütig. In nahezu jedem Hafen durfte ich mir Komplimente für das schöne Schiff anhören. Jedes Mal habe ich mich natürlich artig bedankt, sowie es sich gehört. Wenn die Aussagen ernst gemeint waren, nehme ich sie gerne wohlwollend entgegen.

Die MSC Preziosa kommt mir Backbord entgegen. Der Kreuzfahrer hat Malaga im Visier. Ich lege mich erst einmal hin. Altersgerechtes Power-Napping nenne ich das. Das AIS schlägt Alarm, wenn sich ein Schiff bis auf zwei Seemeilen nähert. Der Autopilot ist eingestellt und der „Dampfer“ läuft. Und was macht der Skipper nach der kleinen Ruhepause? Er sitzt auf den Knien und schrubbt den Fußboden, putzt, wischt Staub, räumt auf, macht unter Deck alles fein. Ich sollte Zuhause auch mal anfangen, beim Saubermachen zu helfen. Schnell Themenwechsel!

Draußen klart es ein wenig auf. Die Bewölkung wird weniger und die Sonne kommt zaghaft heraus. Wird schon, der Tag ist noch lang. Speed-Segeln bei zur Zeit konstanten 8,5 Knoten über Grund. So bitte weiter, dann bin ich vor Sonnenuntergang in Almerimar.

Kann mir mal jemand verraten, warum immer zu Mittag, wenn ich koche, der Wind verrückt spielt. Immer unnötige Hektik. Vorsegel rein, das Groß muss dringend getrimmt werden. Die Pfanne steht auf dem Herd und ich bewege mich von unten nach oben und wieder zurück. Winddreher von Nordwest über West nach Südwest und wieder gen West. Von 25 Knoten auf unter zehn Knoten. Platt vorm Laken. Erst mal essen, dann sehen wir weiter. Nach der Mahlzeit wieder super Geschwindigkeit. Der Wind hat sich entschieden und bläst genau von hinten in das Großsegel. So komme ich auch dazu, diese Zeilen zu schreiben und dazu noch die Fotos zu sortieren und für die Homepage zu komprimieren.

Mittlerweile ist es 15.30 Uhr, 25 Seemeilen noch bis zur Marina. Angemeldet bin ich. Nicole hat von Deutschland aus nochmals angerufen. Ich soll mich auf Kanal 9 kurz vor der Einfahrt melden. Das Büro ist die gesamte Nacht besetzt. Noch etwa dreieinhalb Stunden, dann ist es geschafft.

Kurz vor Almerimar bekomme ich noch einen auf den Deckel. Das muss doch nicht sein. 3000 Seemeilen entspanntes Segeln und nun sieben Seemeilen vor dem Ziel von jetzt auf nun 40 bis 45 Knoten Wind aus Nord/Nordwest, starker Seegang und der Skipper in Hektik. Das benötige ich nun wirklich nicht. Genua bis auf Taschentuchgröße gerefft, das Groß bis auf Handtuchgröße. Aber alles gut, um 19.15 Uhr in völliger Dunkelheit fahre ich in die Marina ein. Der freundliche und hilfsbereite Marine-Mitarbeiter wartet schon, nimmt mich in Empfang und hilft beim Festmachen. Geschafft! Angekommen! Hurra! Genau 3050 Seemeilen seit Himmelfahrt, der Abfahrt von Fehmarn.

Zufrieden schließe ich für heute diesen Blog mit einem immer häufiger wiederkehrenden Gedanken. War es die letzte Reise der OCEAN SPIRIT unter dem Eignerpaar, trotz aller Freude, Begeisterung und Neugier sowie Erfahrungen et cetera oder verweilen wir hier in Andalusien für die nächste Zeit? Oder geht eventuell doch die Reise nach Kreta weiter? Unserem „zweiten Zuhause“. Warten wir ab, was über die Wintermonate noch so alles passiert.

Gute Nacht aus Almerimar von Bord

HJR

 

2018-11-03T09:50:17+00:002. November 2018|