Die galicischen Rias – Bucht von Camarinas

Die galicischen Rias – Bucht von Camarinas

Nach zwei einsamen Tagen allein an Bord in A Coruna wird es Zeit, die Leinen an Land zu werfen. Geduld ist nicht gerade meine Stärke, muss jedoch sein. Der Wind kommt aus Süden, genau von dort, wo ich hin möchte. Also abwarten und Tee trinken, im wahrsten Sinne des Wortes. Und was passiert so beim Warten und Chillen, nichts. Auch hier in Galicien geht alles seinen Gang. Die Marina leert sich auch langsam, die Hochsaison ist vorbei, die Stege vereinsamen. Bis auf einige Langfahrtsegler, die hier überwintern und/oder für längere Zeit nach einer Atlantiküberquerung bleiben, verlieren sich gegenwärtig die Segler. Die französische Flagge ist in der Mehrzahl zu sehen. Einige Aussteiger mit „Seelenverkäufern“, ein Riesen-Katamaran aus Riga, Winterlieger, unsere Ocean Spirit und wer kommt da, ein leicht „verrücktes Eignerpaar“ einer Bavaria 38 aus Germany. Sind mal so eben bei über 30 Knoten Wind über die Biskaya. Man(n) gönnt sich ja sonst nichts – 6 bis 8 Meter Welle, das Achtercockpit mehrfach geflutet. Die beiden haben sicherlich Spaß gehabt. Gemäß Aussage in 47 Stunden 350 Seemeilen quer rüber mit hunderten von Delfinen. Die beiden sind reif für einen Blog „Begegnungen“. Dazu später sicherlich mehr. Jedenfalls war es eine interessante Klönschnack-Runde.

Der Wind hat auf Nord gedreht, die Sonne hat sich zurückgezogen und ich mache mich um 8.30 Uhr auf den Weg zu meiner ersten schmalen und langen, tief ins Land eindringenden Meeresbucht.

Nach etwas über 50 Seemeilen erreiche ich unter Motor Camarinas, im Nordwesten Galiciens, unweit der nächst größeren Stadt Santiago de Compostela. Es erwartet mich eine kleine Gemeinde mit fünfeinhalb Tausend Einwohnern. Tote Hose hier! Vielleicht deshalb wird die Küste hier „Costa da Morte“ (Todesküste) genannt. Jedenfalls habe ich den ersten Tag als Einhandsegler gut überstanden. Eine kleine, zweckmäßige Marina mit einigen Stegen und eine Fischereiflotten-Abteilung „schmücken“ den kleinen Hafen. Das Imposanteste ist die Fischereiflotte, die Haupterwerbsquelle des Ortes. Bis zum 20. Jahrhundert spielte auch der Walfang eine tragende Rolle. Heute werden im Hafen Seehecht, Sardinen, Aal, Tintenfisch und verschiedene Arten von Muscheln gehandelt. Am Cabo Vilan gibt es auch eine industrielle Aquakultur. Sie ist in norwegischer Hand.

Da ich in Camarinas zwar einen Bäcker gefunden habe, entscheide ich mich dennoch, selbst zu backen. Hefe, Mehl und so fort sind ja im Überfluss an Bord. Es geht doch nichts über den morgendlichen Geruch frischer Brötchen aus dem Backofen der OCEAN SPIRIT. Dann beginnt der Tag hoffentlich positiv und ich kann weiter zur nächsten Destination.

Pustekuchen! Neuer Morgen, neue Sorgen. Eine Waschküche ist nichts dagegen. Als ich um 7.00 Uhr aus dem Fenster schaue, sehe ich nichts. Keine Hand vor den Augen. Vor acht, halb neun wird es sowieso nicht hell, dazu noch Nebel. Ans Auslaufen ist nicht zu denken. Also Planungsänderung und abwarten. Erfahrungsgemäß lichtet sich der Nebel bis Mittag. In Camarinas ist heute Markttag. Dann stöbere ich da mal herum und schaue, was da so los ist. Eventuell bringen die Marktstände etwas Leben in die Bude hier.

Um 12.00 Uhr immer noch kein Licht am Horizont. Gegen 14.00 Uhr kommt die Sonne raus und flutet die Bucht mit ihren warmen Strahlen. Sieht richtig gut aus. Ans Ablegen ist heute trotzdem nicht mehr zu denken. In Richtung offener Atlantik nicht mehr wie 100 Meter Sicht. Nicht nur ich, sondern auch die anderen Yachties bleiben im Hafen. Selbst die fünf Ankerlieger rühren sich nicht vom Fleck. Eine Yacht hat es versucht, und ist nach einer halben Stunde wieder umgekehrt. Das sagt alles.

Die Sonne strahlt wohl nur hier vom blauen Himmel, puh ist das warm. Windstille dazu. So kann der Nebel auch nicht abziehen. Mit knapp über 3 Meter Tidenhub geht es so am Schwimmsteg rauf und runter. Der nette, ältere Herr Hafenmeister ist ein Symphatikus. Nur die Kommunikation fällt schwer. Weder Englisch, geschweige denn Deutsch. Mit Händen und Füßen geht es aber auch. Und natürlich Blickkontakt – wir verstehen uns. Morgen soll der Wind auf nordöstliche Richtung drehen, etwas auffrischen und heiter bis sonnig soll es auch werden. Wenn es dann so kommt, gibt das einen gemütlichen Törnabschnitt mit achterlichem Wind.

Das Gute an so einem Tag der Ruhe in Abgeschiedenheit und mit Panoramablick auf die bewaldete Küste ist, dass der Akku schnell wieder aufgeladen wird, der Skipper Entspannung findet, und seinen Gedanken nachhängt.

Wenn alles gut läuft, passiere ich morgen das Kap Finisterre an Backbord unterhalb der Küstenlinie, um dann etwa 7 Seemeilen südlicher in die Bucht von Muros einzulaufen. Die Marina Muros im gleichnamigen Ort soll mein Tagesziel sein.

Spätsommerliche Grüße von Bord

HJR

2018-10-11T15:21:29+00:005. Oktober 2018|