Begegnungen – SY White Satin (Belgien) – Der NOK machts möglich

Begegnungen – SY White Satin (Belgien) – Der NOK machts möglich

Urlaubs- und Törnende, Ostseeküste Schleswig Holsteins erobert, zurück geht es via dem Nord-Ostsee-Kanal nach Hooksiel. Die Schleusentore in Kiel Holtenau öffnen sich Mitte August 2012 und die OCEAN SPIRIT nebst Crew erwartet eine gemütliche und entspannte Kanalpassage. Der Ankerplatz Dückerswisch, kurz vor Brunsbüttel ist für uns immer ein beliebter Ankerplatz, um die Nacht vor Eintritt in die Elbe zu verbringen. Die Festmacherdalben haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Ankern ist keine Alternative, also manövrieren wir uns gefühlvoll neben der bereits festgemachten SY White Satin, eine 12 Meter Hunter aus Belgien. Das sind Begegnungen, die ich mag.  Das Eignerpaar Hans und Danielle genießen seit einiger Zeit die langfristigen Törns auf der gesamten Ostsee, vorzugsweise die Region nahe Stockholm. Einen Monat segeln, einen Monat als Ärzte praktizierend, einen Monat segeln und so fort. Im Frühjahr geht es regelmäßig von Niewport nach Skandinavien und im Spätsommer wieder zurück. Mit Ende 50, im letzten Drittel des Lebens angekommen, unabhängig und weitestgehend frei von allen Verpflichtungen genießen die Beiden meine Hochachtung.

Erst reserviert und fast teilnahmslos beim Abendessen beobachten Sie unser Festmacher-Manöver an den Holzpollern. Meiner Bitte um Leinenannahme am achterlichen Backbord-Poller kam Hans gern nach – das Eis war fast gebrochen, die Auftauphase begann. Nach dem Aufklarieren und einem kleinen abendlichen Imbiss stellte ich eine belanglose Frage und das Eis schmolz dahin. Es ist eben so. Menschen möchten kommunizieren, sich mitteilen. Und wenn die „Chemie“ stimmt, ist eine interessante Kommunikationsrunde eröffnet.

Nun erinnere ich mich auch an meine Frage. Sie lautete: Wir planen im nächsten Jahr auch gern einmal nach Belgien und küstennah weiter nach Frankreich zu segeln. Haben Sie einige Empfehlungen? Aus dieser einen Frage wurden drei Stunden intensiver Dialog bis die Mücken alle Beteiligten in die Kojen verscheuchten. Nicht bevor noch die Frage nach dem Wohin am nächsten Tag beantwortet wurde. Cuxhaven war das Ziel. Da wir auch Cuxhaven anvisiert hatten, gab ich die Empfehlung, in die City-Marina zu gehen. VHF-Kanal 69 – Cuxhaven-Lock – und die Brücke geht immer jede halbe und volle Stunde wie von Geisterhand auf. Stadtnah, ruhig, wenig Gäste, immer ein freier Platz, beste Voraussetzungen für Schiff und Crew. Übrigens: das „Lotsenviertel“  ist absolut top und immer einen Bummel wert. Die nahe Innenstadt läd auch gern zum Verweilen ein. So ging es gemeinsam am folgenden Morgen gegen 8.00 Uhr in Richtung Brunsbüttel durch die Schleuse in die Elbe – Kurs direkt Cuxhaven, bei NW 3 Bft., in Böen 4 Bft. Hart am Wind und durch nördliche Winddrehungen die Einfahrt in den Vorhafen zur City-Marina anliegend. Die einschlägigen Hafen- und Revierführer empfehlen nahezu einstimmig den großen Yachthafen elbaufwärts des Fährhafens, wir mögen aber lieber mehr Atmosphäre und die Ruhe – also immer die City-Marina. Zwar gibt es keine optimalen Hafenmeister- und Sanitärgebäude, ist in unserem Fall auch zweitrangig.

Der Herr aller „Hafenreusen“, sprich Hafenmeister gibt manchmal sein Bestes, etwas muffelig, störrisch und sicherlich menschlich nicht einfach, jedoch mit etwas Kontra und Gegenwind, geschmeidiger werdend. Diskussionen und kommunikative Gegenrede sind nicht seine Stärken. Mein Fall ist er nicht. Manchmal kracht es bereits nach einer Minute. Also, Ball flach halten. Beidseitig versteht sich.
Auch die White Satein läuft in die City-Marina ein. Artig bedanken sich beide für meine Empfehlung, Cuxhaven anzulaufen. Für die White Satein ist die City-Marina das erste Mal nach unzähligen Passagen. Die letzten Jahre sind sie immer vorbeigerauscht oder haben kurz im Yachthafen für eine Nacht festgemacht. Ein langer, kommunikativer Nachmittag und Abend steht bevor. Da wir schon kurz vor 13.00 Uhr festmachten, stand bei uns allen erst einmal ein Restaurantbesuch an. Das Restaurant „WAL“ ist eine gute Adresse. Nicht nur die Geldkarte für Strom, WC und Dusche et cetera, sondern auch der Milchkaffee und die Speisekarte lassen gutes hoffen. Der Magen benötigt schließlich auch sein Recht. Das beiderseitige Interesse an der Weiterführung des Kontaktes und der zwischenmenschlichen Kommunikation blieb und wurde somit intensiviert. Im gemütlichen Beisammensein redet es sich halt besser. Schwärmerisch und begeisternd berichten Hans und Danielle von den jahrelangen schönen Törns nach Schweden, berichten von den Erlebnissen, den Eindrücken und die gelassene Lebensart der Schweden. Die malerischen Orte, Inseln und Häfen müssen wir uns unbedingt ansehen. Logo, bereits auf dem Plan! Nur, alles nach und nach. Sind ja nicht auf der Flucht…

So vergingen die Stunden wie im Flug und darüber hinaus wurde noch das gesamte Leben des Ärztepaares aufgearbeitet. Menschliche Geschichten, die manchmal nahegehen, die oftmals sensibel stimmen, gleichlautend wirken sowie die Erkenntnis, dass jeder Mensch auf der gesamten Welt sein „Päckchen“ zu tragen hat. Ende 50, ohne Kinder, Vater vor zehn Tagen in Abwesenheit des Sohnes nach zwanzigjährigem Krebsleiden verstorben. Schwiedermutter an der Parkinson-Krankheit erkrankt, sonst geistig und vom Herzen her fit – menschliche Schicksale die zum Nachdenken anregen. Beide Studium, Praxis als Ärzte, zig Jahre Klinikalltag, Aufbau der eigenen Praxis und seit geraumer Zeit der situative Ausstieg aus dem Hamsterrad! Hans und Danielle, ein wirklich sympathisches und kommunikatives Seglerpaar auf gleicher Wellenlänge. Die Themen scheinen nicht auszugehen.

Bevor nun jeder seines Weges zieht wurden abends im Cockpit der OCEAN SPIRIT die Visitenkarten und vieles mehr ausgetauscht, das Brötchen-Backrezept von Nicole weitergereicht und Hans verspach mir per email eine Liste der besten Häfen der Kanalküste mit Südengland und der Bretangne mitzuteilen.

Es sind diese Begegnungen, die das Fahrtensegeln so fazinierend machen.

Übrigens: Die Erzählungen des seglerischen Erlebten von Hans waren so inhaltsreich, sofort nachvollziehbar, dass bereits beim Zuhören Fernweh aufkam. Detailgetreu wurden Ansteuuerungen, Häfen und Anekdoten zum Besten gegeben. Super, vielen Dank an Hans und Danielle.

Auf ein baldiges Wiedersehen in Niewport oder anderswo.

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Weitere interessante Berichte, Bilder et cetera  unter https://plus.google.com/u/0/+SYOCEANSPIRIT/posts

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2018-04-10T09:25:15+00:00 7. November 2016|